Rückblick Benzinkultur#3 – Saarbrücker Zeitung

Benzinkultur – Schätze der Automobil-Geschichte

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St. Wendel. 200 Old- und Youngtimer kamen zur Benzinkultur nach St. Wendel. Ein Spektaktel, das die Herzen vieler Autofans höher schlagen ließ. Von Frank Faber

Tag des rollenden Denkmals in St. Wendel. Rund 200 Fahrer parkten ihre Old- und Youngtimer beim dritten Benzinkultur-Treffen im Industriegebiet West. „Es wird langsam eng“, meinte Einweiser Martin Schwan von den Oldtimerfreunden St. Wendeler Land. 170 Fahrzeuge waren bereits gegen Mittag angekommen. „Wenn  nichts mehr geht, stellen wir sie hochkant“, scherzte Patrick Jung, der Vorsitzende der Oldtimerfreunde. Egal ob chromblitzende Straßenschlitten, Bullis, Traktoren und Motorräder: Auf dem Areal gab es mobiles Kulturgut bis hin zum historischen Rennauto zu besichtigen.

Für die abstürzende Kinnlade bei den Besuchern sorgte der Ford Sedan aus dem Jahre 1934, den Horst Romeike abgestellt hatte. Vor 60 Jahren war der Peugeot 203 C, Baujahr 1953/54 vom St. Wendeler Michael Sommer für den Glaserei- und Schlossereibetrieb seines Vaters und seines Onkels im Einsatz. Sommer zückte den Originalfahrzeugschein. Bis 1958 standen auf dem Kennzeichen die Buchstaben OE und die Zahl acht für den Kreis St. Wendel.Zu dieser Zeit pafften viele Saarländer die Zigarettenmarke Lasso, deren Logo, ein lassoschwingender Reiter, die Türen eines 2 CV (Ente) schmückte. Wie ein Kühlschrank lässt sich die Tür der Knutschkugel nur nach vorne öffnen, und Jean-Pierre Himpler und Björn Jakobs krabbelten etwas beschwerlich aus der engen BMW Isetta. „Das Auto ist vom Ur-Opa. Papa, Oma und Opa und eine Kiste Bier haben da gemeinsam reingepasst“, berichtete Jean-Pierre Himpler aus St. Wendel. Die Isetta aus dem Jahre 1958 sei komplett restauriert worden.

Alte Liebe rostet nicht. Das Nummernschild mit der Aufschrift WND-WG 64, bedeutet Wohngemeinschaft seit 1964. Den Fiat 550 Luxus, Baujahr 1972, haben sich Georg und Waltraud Himbert aus Hasborn-Dautweiler als Geschenk zur Goldenen Hochzeit gegönnt. „Ein Fiat 500 war damals auch mein erstes Auto“, sagte der Oldtimerfreund. Der als „Bulli“ bekannte VW Bus gilt als „Motor des deutschen Wirtschaftswunders“ und wurde in den 1970er-Jahren zum Symbol der Hippie-Kultur. Zahlreiche kultige Bullis tauchten am Benzinkultur-Sonntag auf. „Wir fahren noch immer mit dem Bus in Urlaub. 90 Stundenkilometer bringt er noch, dann hör ich auf“, erklärte der St. Wendeler Klaus Riefer, dessen VW Bus 1961 vom Band lief.

Mächtig aufgedreht hat in den vergangenen Jahren die US-Car-Szene. Ein tarnfarbener zum Mini-Monstertruck aufgemotzter Van hatte es besonders den Kindern angetan und ein Pick-up war durch sein tiefergelegtes Fahrwerk in die Knie gegangen. Der Mercury Cougar XR7, Baujahr 1967, erinnerte an die Anfangsszenen aus dem Film „From Dusk till Dawn“ mit George Clooney hinter dem Steuer und dem Whisky schluckenden Quentin Tarantino.

Dass das Interesse an solchen PS-Veranstaltungen immer mehr an Bedeutung gewinnt, zeigte nicht nur die Anzahl der Teilnehmer. „Es ist auch toll, dass so viele Besucher gekommen sind“, freute sich Patrick Jung. Im kommenden Jahr werden die Benzinkultur-Macher das Treffen auf zwei Tage ausbauen. „Der Termin steht mit dem 29. und 30. September fest. Wir werden die Veranstaltung noch stärker in Frankreich bekannt machen und damit die gesamte Großregion ansprechen. In diesem Jahr war es für uns ein großer Erfolg“, meinte Jung. Im Barbershop „Pony and Kleid“ stutzte Sabine Amann den Altblechliebhabern den Bart und verpasste ihnen bei Bedarf einen modischen Haarschnitt. Die Band Manny K and Friends sorgte für Musik.

Quelle. Saarbrücker Zeitung  / Autor: Frank Faber (SZ)

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